Juli 2010
Seit 60 Jahren da für Mütter
Frankfurt feiert das Jubiläum mit einem "Müttertag"
Artikel aus der Mitarbeiterzeitung des Caritasverbands Frankfurt e.V. Nr. 2/2010
Bilder von der Veranstaltung
24.03.2010
Ablehnungsqoten für Mütter- und Mutter-Kind-Kuren stiegen 2009 auf 31%: Müttergenesungswerk kritisiert Sparmaßnahmen zu Lasten der Gesundheit von Müttern
Das Müttergenesungswerk (MGW) kritisiert das Sparverhalten der Krankenkassen an Mütter- und Mutter-Kind-Kurmaßnahmen. Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind nach den jüngst veröffentlichten Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums im Bereich „Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen für Mütter und Mütter mit Kindern“ 2009 um 5,6% gesunken, gleichzeitig sind aber die Gesamtausgaben der GKV um 6% gestiegen. Für das Müttergenesungswerk eine skandalöse Entwicklung. „Die gesetzlichen Änderungen in diesem Bereich waren 2007 erklärter politischer Wille aller Fraktionen im Deutschen Bundestag. Ziel war, den Zugang zu diesen Kurmaßnahmen für Mütter zu erleichtern und deshalb ihren rechtlichen Anspruch zu stärken“, betont Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerkes in Berlin.
Die Statistik des Müttergenesungswerkes spiegelt diesen Ausgabenrückgang der GKV. Im letzten Jahr nahmen nur noch 43.000 Mütter und 64.000 Kinder (6% weniger als 2008) an Vorsorge- oder Rehabiliationsmaßnahmen im Müttergenesungswerk teil. Die Ablehnungen der Kuranträge durch die gesetzlichen Krankenkassen stiegen 2009 um 4% auf insgesamt 31%. Viele Krankenkassen haben ihre Ablehnungsquoten gesteigert und begründen Ablehnungen vor allem mit dem Grundsatz „ambulante Maßnahmen nicht ausgeschöpft“ oder Varianten davon. „Dieser Grundsatz gilt aber seit 2007 explizit nicht für mütterspezifische Kurmaßnahmen und die Anwendung ist daher rechtswidrig“ erläutert Schilling, „deshalb sind die Widersprüche von Müttern gegen die Ablehnung ihres Kurantrags mit 48% so erfolgreich.“
Das Müttergenesungswerk fordert die Politik auf, diese Entwicklung zu beobachten und zu intervenieren. Schilling erklärt: „Der gesetzliche Anspruch für Mütter ist geregelt, aber es gibt ein deutliches Umsetzungsproblem bei den Krankenkassen. Die neue gesetzlich verordnete Statistik der Kassen zu Anträgen und deren Erledigung, die seit 2008 geführt werden muss, gibt es bis heute nicht. Mütter brauchen mal wieder dringend Unterstützung von politischer Seite, um ihre Rechte durchzusetzen.“
Im 60. Jahr seines Bestehens und trotz aller Erfolge ist das Müttergenesungswerk in großer Sorge um die Müttergesundheit in Deutschland. Der Bedarf an den spezifischen Maßnahmen für Mütter ist nach wie vor riesig. Eine Studie des BMFSFJ 2007 hat eindeutig belegt, dass 2,1 Millionen Mütter kurbedürftig sind. Familienpolitik und Familienfreundlichkeit zeigt sich auch am Umgang mit der Gesundheit von Müttern. In jedem Fall hängt eine ganze Familie daran.
Das MGW ruft deshalb die Mütter auf, selbstverständlich ihren Kurantrag bei ihrer Krankenkasse zu stellen und dafür die Unterstützung der Beratungsstellen des Müttergenesungswerkes bei den Wohlfahrtsverbänden in Anspruch zu nehmen. Damit hat ihr Antrag beste Erfolgschancen. „Mütter sollten immer bedenken, dass eine Krankenkasse auch gewechselt werden kann, wenn sie eine ungerechtfertigte Ablehnung erhalten.“ Das Müttergenesungswerk zeigt in seiner Statistik der Beratungsstellen die Ablehnungsquoten einzelner Krankenkassen auf.
Das Müttergenesungswerk bietet im Verbund mit 84 anerkannten Einrichtungen und einem wohnortnahen Netz von rund 1.400 Beratungsstellen bei den Wohlfahrtsverbänden frauenspezifische und ganzheitliche Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen für Mütter und Mutter-Kind in ganz Deutschland an.
Alle Informationen zu den Kurmaßnahmen und Beratungsstellensuche auf www.muettergenesungswerk.de und Kurtelefon: 030/330029-29
Dezember 2009
Eine alte Tradition lebt wieder auf
Dank der großzügigen Spende der Firma Sanofi Aventis und der perfekten Organisation durch die Firma Steigenberger Hotel, Bad Homburg haben 40 Mütter mit ihren Familien eine Weihnachtsgans erhalten.
Der Ortsausschuss für Müttergenesung in Frankfurt hatte die Idee und konnte Alexandra Prinzessin von Hannover gewinnen, eine Weihnachtsgans inklusive Rezept für die Zubereitung persönlich zu überbringen.
Auch 60 Jahre nach seiner Gründung engagiert sich das Müttergenesungswerk mit zeitgemäßen Gesundheitsangeboten für Mütter und Kinder, die beispiellos sind und Mütter gezielt stärken.
17.11.2009
140.000 Mütter in 2008 deutschlandweit beraten:
Gesundheit für Mütter fängt mit der richtigen Beratung an
Die rund 1.400 Beratungsstellen im Müttergenesungswerk (MGW) sind wesentlicher Teil der sogenannten Therapeutischen Kette, die die effektive und nachhaltige Wirkung von Mütter- und Mutter-Kind-Kurmaßnahmen sichert. Sie verbindet die Kurmaßnahme mit Beratung im Vorfeld und der nachhaltigen Nachsorge für die Frauen am Wohnort. Die Beratungsstellen arbeiten in der Trägerschaft der im MGW zusammengeschlossenen Wohlfahrtsverbände (AWO, DPWV, DRK; EVA, KAG).
„Unsere Mütter- und Mutter-Kind-Kuren fangen mit den BeraterInnen an“, lobt Marlene Rupprecht, MdB, Kuratoriumsvorsitzende des Müttergenesungswerkes heute aus Anlass des BeraterInnen-Fachtages in Nürnberg, zu dem der Landesausschuss für Müttergenesung in Bayern eingeladen hat. „140.000 Frauen wurden in 2008 in unseren Beratungsstellen kompetent und sensibel beraten. Unsere Erfahrungen zeigen, dass Anträge über unsere Beratungsstellen deutlich erfolgreicher sind. Deshalb empfehlen wir allen Frauen nachdrücklich, unsere Beratungsstellen zu nutzen. Dort findet engagierte und kompetente Unterstützung für Mütter statt.“
Dies sind die Ergebnisse einer Studie über die MGW-Beratungsarbeit. Die Studie bestätigt die Notwendigkeit der Beratung und deren hohe Qualität. Die Mütter werden mit einer durchschnittlichen Beratungszeit von drei Stunden und neun Kontaktaufnahmen durch die Beraterin betreut. Beraten werden die Frauen sowohl bei der Antragstellung als auch hinsichtlich der optimalen Auswahl der Kureinrichtung. Deshalb gehört auch die Beratung zur Wahrnehmung des Wunsch- und Wahlrechtes jeder gesetzlich versicherten Mutter zur Antragstellung. Im Fall der Ablehnung des Antrages durch die Krankenkasse gibt es kompetente Hilfe beim Widerspruchsverfahren. Rund 50% aller Widersprüche sind erfolgreich. Nicht immer benötigen die Frauen eine stationäre Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme. Rund 50% der Beratung suchenden Frauen stellen einen Kurantrag. Den Anderen werden individuelle kontextbezogene Hilfen im System der Wohlfahrtsverbände angeboten. „Über unsere Beratungsstellen konnte das Müttergenesungswerk mit im ganzen Land gesammelten Spendenmitteln in 2008 rd. 8.000 Müttern und Kinder finanziell bei der Durchführung ihrer Kurmaßnahme unterstützen“, so Rupprecht in Nürnberg. „Hier wird jede Spende praktische Hilfe für Mütter.“
17.09.2009
Müttergenesungswerk kritisiert:
Ablehnungen bei Mütter- und Mutter-Kind-Kuren steigen wieder
Neueste Zahlen des Deutschen Müttergenesungswerkes (MGW) zeigen: Im ersten Halbjahr 2009 stieg die Zahl der Ablehnungen bei Mütter- und Mutter-Kind-Kurmaßnahmen durch die Krankenkassen bundesweit im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um deutliche 4% auf 29%. Die Anzahl der Anträge blieb hingegen annähernd stabil. Damit sank die Zahl der Frauen, die ihr gesetzlich garantiertes Recht auf eine Mütter- oder Mutter-Kindmaßnahme wahrnehmen konnten im Müttergenesungswerk um 1.300 auf knapp 21.000 Mütter.
„Nach der Stabilisierung der Gesundheitsmaßnahmen für Mütter durch die gesetzlichen Änderungen mit der Gesundheitsreform von 2007 gibt es nun schon wieder einen ersten Rückgang, das ist nicht hinnehmbar“, kritisiert Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerkes heute bei der Bekanntgabe der Daten in Berlin. „Unsere neue Statistik spiegelt die vor wenigen Tagen veröffentlichte Ausgabenstatistik der Gesetzlichen Krankenversicherung, die im 1. Halbjahr 2009 ein Rückgang der Ausgaben für Müttergenesungsmaßnahmen von 2,6% feststellt.“
In der Statistik des Müttergenesungswerkes, die bei den Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände im Verbund des Müttergenesungswerkes regelmäßig erhoben wird, wurden rund 24.000 Anträge von Müttern ausgewertet. Sie erlaubt auch einen Blick auf Ablehnungszahlen einzelner Krankenkassen. Die Ablehnungen von Anträgen sind praktisch bei allen Kassen gestiegen. Nach wie vor ist die Begründung, dass ambulante Maßnahmen nicht ausgeschöpft sind, mit 39% der häufigste Ablehnungsgrund – obwohl dies gesetzlich explizit nicht für mütterspezifische Maßnahmen nach §§ 24 und 41 SGB V gilt. Sprunghaft angestiegen sind aber auch die „sonstigen“ Gründe mit 35%, hinter denen sich immer neue Varianten von „ambulant vor stationär“ verbergen.
„Wieder einmal wird die Gesundheit von Müttern als Variable für Einsparmöglichkeiten benutzt, obwohl die Bedarfslage in Deutschland riesig ist, wie die IfeS-Studie des BMFSFJ ergeben hat. Wir fordern die Krankenkassen zu konstruktivem Handeln im Sinne des Gesetzgebers auf und natürlich zum Wohle ihrer versicherten Mütter“, verlangt Anne Schilling in Berlin.
Von Ablehnung betroffene Frauen sollten mit Hilfe einer örtlichen Beratungsstelle beim Müttergenesungswerk Widerspruch einlegen. Die Hälfte aller Widersprüche ist erfolgreich. Die Beratungsstelle in Wohnortnähe ist zu ermitteln durch die Online- Beratungsstellensuche auf www.muettergenesungswerk.de oder per Kurtelefon: 030/330029-29
Das vollständige Zahlenwerk finden Sie unter www.muettergenesungswerk.de / Fachinformation / Müttergenesungswerk in Zahlen / Statistik der Vermittlungs- und Beratungsstellen 1.Hj 2009.
30.04.2009

"Da ist plötzlich wieder viel Kraft in mir..."
"Von der Müttergenesung habe ich Hilfe erfahren, wie ich sie bisher nicht kannte." Susanne D. bringt auf den Punkt, was zahlreiche Frauen Jahr für Jahr erleben. Als eine von fünf Müttern berichtete sie am 30. April im Museum Giersch von ihren Erfahrungen während einer Mutter-Kind-Kur. Eingeladen hatte die Ehrenvorsitzende des Ehrenausschusses für Müttergenesung, Oberbürgermeisterin Dr. Petra Roth, um aus Anlass der beginnenden Sammelaktion 2009 allen bisherigen Spendern und Unterstützern zu danken. "Ihr Einsatz hilft nicht nur Müttern, sondern es geht um das Wohl von Familien, nicht zuletzt von Kindern", betonte sie. Wie Marianne Adler von der Müttergenesung Frankfurt bekräftigte, seien zahlreiche Angebote nur durch das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern möglich. So zeige sich bei der Arbeit mit Müttern unter anderem, dass immer mehr junge Familien von Armut betroffen seien. "Gerade während einer Kur wird vieles offensichtlich, was im stressigen Alltag allzu leicht untergeht", berichtet Adler. Da fehle es einer Mutter an einer warmen Winterjacke, eine andere sei nicht in der Lage, ihrer Tochter ein geeignetes Paar Jogging-Schuhe oder einen Turnanzug zu kaufen. "Dank der Unterstützer kann Müttergenesung auch hier gezielt helfen, zum Beispiel mit einem kleinen Taschengeld." Wichtig sei nicht zuletzt, Müttern Wertschätzung entgegenzubringen, die Tag für Tag einen wichtigen Dienst an ihren Familien und somit an der gesamten Gesellschaft leisteten.
Ein Licht im Dunkel der Odyssee
Susanne D. kann das bestätigen. In einer Kureinrichtung an der Ostsee hat sie sich selbst ein Bild machen können, wie nötig solche Hilfen für zahlreiche Mütter sind. Ihre eigene Mutter-Kind-Kur bezeichnet sie als "Licht nach langem Dunkel". Hautkrebs – so lautete vor fünf Jahren die niederschmetternde Diagnose für die Mutter von zwei Kindern. Doch das war längst nicht alles, denn nach Operation und Reha folgten neue Hiobsbotschaften: Die Schwester erkrankte an Brustkrebs und einige Monate später stürzte Susanne D.s Vater schwer. Sechs Monate lag er auf der Intensivstation, musste künstlich beatmet werden. Trotz ihrer eigenen Interferon-Behandlung pendelte Susanne D. täglich zwischen den Krankenhäusern und ihrer Wohnung, ihre Tochter verbrachte etliche Stunden in Wartezimmern oder bei Pförtnern. "Ich hatte ein sehr schlechtes Gewissen gegenüber meiner Familie und mir selbst", erinnert sich die Frau, für die wenig später der "totale Zusammenbruch" folgte, nachdem erst ihr Vater und ein halbes Jahr später auch ihre Schwester verstarb. Auf Empfehlung einer Freundin rief sie schließlich bei der Beratungsstelle für Mütter- und Mutter-Kind-Kuren der Diakonie an und bat um Unterstützung. "Sehr schnell konnte ich eine Kur in Grömitz antreten, bei der ich auch psychologische Unterstützung in Anspruch nahm." Nach drei Wochen habe sie sich wieder "richtig gut" gefühlt. "Und auch mein Kind lebte während der Kur total auf." Yvonne P. wiederum profitierte nach mehreren Klinikaufenthalten und einer Bandscheibenoperation vom gezielten Sportprogramm während ihrer Mutter-Kind-Kur. "Bei der Müttergenesung erfuhr ich unbürokratische Hilfe und tatkräftige Unterstützung. Das hat mir große Zuversicht gegeben", erklärt die alleinerziehende Mutter von Zwillingen.
Junge Menschen für Engagement gewinnen
Oberbürgermeisterin Dr. Petra Roth stellte den Wert von Müttergenesung für die gesamte Gesellschaft heraus: "Der doppelte Druck durch die Sorge für die Familie und das Funktionieren-Müssen im Job bringt für viele Frauen eine hochgradige Belastung im körperlichen wie im psychischen Bereich mit sich." Knapp 60 Jahre nach ihrer Gründung stehe die Müttergenesung vor großen Herausforderungen und nehme entscheidende Verantwortung für die Entwicklung der Familien wahr: "Wir brauchen auch heute junge Menschen, die sich für Müttergenesung engagieren, weil sie spüren, dass es mehr gibt als Job und Karriere, nämlich Zuwendung und Zeit für Andere", forderte die OB. Der Leiter der Diakonie Frankfurt am Main, Dr. Michael Frase, ehrte in diesem Kontext Gretel Weiß und Waltraude Schäfer für mehr als zehn sowie Walter Paschold für über zwanzig Jahre ehrenamtliches Engagement. Zudem gedachte er Kitty Ambrosius, die am 12. April im Alter von 94 Jahren verstarb. Im Jahre 1951 hatte sie den ersten Ehrenausschuss gegründet und fungierte über 40 Jahre als dessen Vorsitzende. "Sie hat die Müttergenesung nicht nur geprägt, sondern stand mit ihrer Person für die engagierte Arbeit in Frankfurt." Es sei etwas ganz besonderes, dass in der Mainmetropole vier Wohlfahrtsverbände in so enger Weise kooperierten, bekräftigte Frase und verwies auf die Struktur des Ortsauschusses, der von Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Deutschem Roten Kreuz und Diakonie gemeinsam getragen wird. "In Zeiten, in denen sich Gesellschaft rasant entwickelt, ist es die Aufgabe von Müttergenesung, immer wieder neue Perspektiven für Mütter zu entwickeln und ihre berechtigten Interessen zu vertreten." Als beispielhaft bezeichnete Frase die umfassenden Nachsorgeangebote, von denen auch Susanne D. profitierte: "Am Ende der Kur dachte ich mit Schrecken an den Alltag, doch dann wurde ich hervorragend aufgefangen. Es ist schön zu wissen, dass ich mich auch heute an Frau Lebéus von der Nachsorge wenden kann, wenn ich Unterstützung brauche", freut sie sich und resümiert: "Dank Müttergenesung kann ich heute wieder positiv in die Zukunft blicken."
Dank Müttergenesung "die Kurve gekriegt"
Astrid H. weiß ganz ähnliches zu berichten: "Ich war ein klassischer Burn-Out-Fall", erinnert sich die Mutter von drei Kindern. Die Doppelbelastung von Familie und Beruf habe sie lange Zeit kompensieren können. Doch als sich ihre Arbeit "verdreifachte", nachdem Kolleginnen im Zuge der Wirtschaftskrise freigestellt wurden, geriet sie immer tiefer in den Strudel. "Ich konnte nicht Nein sagen und irgendwann ging dann gar nichts mehr." Während einer Mutter-Kind-Kur lernte sie, sich selbst Grenzen zu setzen und eine sinnvolle Balance zwischen Arbeit und Familienleben anzustreben. "Durch die Kur habe ich gerade noch die Kurve gekriegt", bekräftigt die Frau, die nun an einer beruflichen Wiedereingliederungsmaßnahme ihres Arbeitgebers teilnimmt. "Ganz viel Kraft" spürt auch Richterin Clementine E. wieder in sich. Bereits zwei Mutter-Kind-Kuren hat sie mit ihrer Tochter absolviert, die eine Leber- und eine Nierentransplantation über sich ergehen lassen musste. "Die Zeit war für die ganze Familie ein echter Horror", blickt sie zurück. Dass ihre Tochter entgegen aller medizinischer Prognosen nun eine reguläre Schule besucht und auch im Sportunterricht zu den besten zählt, schreibt Clementine E. wesentlich den ganzheitlichen Angeboten der Müttergenesung zu. "Sie brachten ein Ausmaß an Erleichterung mit sich, dass sich kaum beschrieben lässt." Nun möchte sie etwas davon zurückgeben und plant, sich ehrenamtlich für die Müttergenesung zu engagieren. Wie eine Mutter Kind-Kur ganz neue Interessen und Talente wecken kann, machte Birgit A. deutlich, die im Museum Giersch mit einer Duett-Partnerin für musikalische Höhepunkte sorgte. Im Rahmen einer Asthma-Therapie entdeckte sie vor drei Jahren auf einer Mutter-Kind-Kur das Querflöte-Spielen. "Dieses Hobby gibt mir heute viel Kraft für den Alltag", betont sie und ergänzt: "Ich möchte anderen Frauen Mut machen, zu einer Beratungsstelle der Müttergenesung zu gehen und gezielt etwas für sich und ihre Familie zu tun."
16.12.2008
Alleinerziehende Mütter brauchen Gesundheitsförderung - Müttergenesungswerk bietet spezielle Hilfen an
Sozial benachteiligte Mütter, speziell Alleinerziehende, sind besonderen Risiken in ihrem Lebensalltag ausgesetzt. Diese wirken sich oft unmittelbar auf den Gesundheitszustand der Frauen aus. 18% aller Familien in Deutschland sind inzwischen Einelternfamilien*
und die Zahl wächst weiter. „Frauen, die ganz allein die Verantwortung für ihre Familie tragen, sind viel öfter starken körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt, die sich auf die Dauer auch auf den Gesundheitszustand
auswirken“ betont Anne Schilling, Geschäftsführerin des Deutschen Müttergenesungswerkes (MGW). „Verschiedenste Erkrankungen können die Folgen sein.“
Nicht genug Zeit für die Kinder zu haben, ihnen nicht die richtigen Werte und Verhaltensweisen vermitteln zu können, dass sind häufig genannte Ängste von Alleinerziehenden.* Unter den Teilnehmerinnen an Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen
des Müttergenesungswerkes sind 32% alleinerziehende Mütter. Das ist ein weit höherer Anteil als der Bundesdurchschnitt an Einelternfamilien. Um die Gesundheit dieser Frauen nachhaltig wieder herzustellen, bedarf es besonderer Hilfen. Um wirksam
zu therapieren, muss es einen Dreifachansatz geben: Es geht um die Mutter, um das Kind und die Mutter-Kind-Beziehung. Es werden wichtige Kompetenzen vermittelt, die persönliche Lebensqualität wieder zu erlangen und zu erhalten. Sieben vom Müttergenesungswerk
anerkannte Einrichtungen bieten Schwerpunktmaßnahmen für Alleinerziehende an. Das vom MGW anerkannte Caritas-Haus Feldberg wurde im Oktober für sein Projekt: „Integrierte Versorgung allein erziehender Mütter und ihrer Kinder“ vom
Deutschen Netz Gesundheitsfördernder Krankenhäuser e.V. ausgezeichnet.
Erschwerend kommt oft die ökonomische Situation der Frauen hinzu. Ein Drittel der Alleinerziehenden von ALG I oder II*. „Wenn sich alleinerziehende Mütter eine Kur nicht leisten können, dann helfen die Spendenmittel des Müttergenesungswerkes“,
so Anne Schilling in Berlin weiter, „Spenden an unsere Stiftung helfen deshalb unmittelbar und sorgen unter anderem dafür, dass auch sozial benachteiligte Mütter wieder mit viel Energie für ihre Familie da sein können.
* Entnommen dem Monitor Familienforschung „Alleinerziehende in Deutschland“, Hrsg: BMFSFJ, Ausgabe 15, Jahrgang 2008
21.04.2008
Bundesversicherungsamt beanstandet Genehmigungsverfahren von Krankenkassen bei Mutter-Kind-Maßnahmen
Krankenkassen leiten immer wieder Anträge für Mütter- und Mutter- Kind-Kuren direkt an den Rentenversicherungsträger weiter mit der Begründung, dass sie nicht zuständig seien. „Dieses Vorgehen ist Taktik der Kassen und eine bewusste Irreführung. Denn nicht die Rentenversicherer sind für Mütter- und Mutter-Kind-Maßnahmen, die der Prävention und Rehabilitation dienen, zuständig, sondern in erster Linie die Krankenkassen. Daher begrüßen wir die Klarstellung des Bundesversicherungsamtes hinsichtlich der Genehmigungspraxis der Krankenkassen sehr“, so Anne Schilling, Geschäftsführerin des Deutschen Müttergenesungswerkes.
Um in puncto Antrags- und Genehmigungsverfahren Klarheit herzustellen, hat das Bundesversicherungsamt (BVA) – eine selbstständige Bundesbehörde, die Aufsicht über Träger und Einrichtungen der Sozialversicherung führt – im Februar einen Rundbrief an die Krankenkassen versandt. Darin fordert das BVA die Krankenkassen auf, ihrer Zuständigkeit bei Mutter-/Vater- Kind-Maßnahmen, die in den §§ 24 und 41 im SGB V geregelt sind, nachzukommen: Da in der Regel die Zuständigkeit für diese Leistungen bei den Krankenkassen liegt, ist ein Verweis der Antragsteller/innen an andere Träger nicht zulässig. Vielmehr haben die Krankenkassen eine sorgfältige Prüfung des Antrages vorzunehmen und eine Leistungsentscheidung zu treffen.
Ebenso wurde in dem Rundbrief beanstandet, dass Krankenkassen immer noch Anträge auf Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen mit dem Argument ablehnen, dass zunächst ambulante Maßnahmen auszuschöpfen seien und eine Mütter- bzw. Mutter-Kind-Kur daher nicht in Betracht komme. Dieses Vorgehen ist seit der Gesundheitsreform vom April 2007 nicht mehr zulässig. Der Grundsatz „ambulant vor stationär“ ist lt. Gesetz im Rahmen von Mutterbzw. Vater-Kind-Maßnahmen nach §§ 24 und 41 SGB V ausdrücklich nicht anzuwenden.
12.02.2008

„Ein großer Schritt in Richtung Gesundheit“
Der Ortsausschuss für Müttergenesung in Frankfurt am Main zieht bei seinem Neujahrsempfang positive Bilanz und möchte Frauen ermutigen, etwas für sich zu tun.
„Müttergenesung hat viel geschafft“. Marlene Rupprecht hatte Positives zu vermelden, als sie anlässlich eines Neujahrsempfangs am 1. Februar in Frankfurt am Main die vergangenen Monate Revue passieren ließ. Dass der Bundestag 2007 überparteilich und einstimmig den Teilen der Gesundheitsreform zugestimmt hat, die Müttergenesung betreffen, darf die Kuratoriumsvorsitzende der Elly Heuss-Knapp-Stiftung durchaus als Erfolg ihres außergewöhnlichen Engagements werten. Der Hintergrund: Mit der Gesundheitsreform sind medizinische Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Mütter und Väter zu Pflichtleistungen in der GKV umgewandelt worden. Vorher lag es im Ermessen der Kassen, die Anträge zu bewilligen. Seit 1. April 2007 müssen sie die Leistungen genehmigen, wenn die medizinischen Voraussetzungen vorliegen. In diesem Fall gilt ausnahmsweise nicht der Grundsatz „ambulant vor stationär“. Außerdem werden die Ausgaben für Mutter-/Vater-Kind-Maßnahmen zukünftig im Risikostrukturausgleich berücksichtigt. Kassen, die mehr Leistungen bewilligen und entsprechend mehr Ausgaben haben, sind nicht mehr im Nachteil gegenüber solchen, die nur wenige Vorsorge- und Reha-Maßnahmen bezahlen.
Studie belegt hohen Bedarf
Marianne Adler vom geschäftsführenden Vorstand des Landesausschusses für Müttergenesung dankte Rupprecht sowie allen Unterstützern und Schirmherrinnen für ihren großen Einsatz. „Ohne ihn wäre die erfolgreiche Arbeit der Müttergenesung so nicht möglich“, betonte die Beraterin im Arbeitsbereich Müttergenesung des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main. Anke Koch, Schirmherrin der Müttergenesung in Hessen und Frau des Hessischen Ministerpräsidenten, bekräftigte die erfreulichen Konsequenzen der neuen Regelung: „Die Zahl der bewilligten Anträge auf Mutter-Kind-Kuren ist enorm angestiegen. Bei einigen Kassen liegt sie bereits zwischen 80 und 90 Prozent“. Vor einigen Monaten hingegen sei eine Ablehnungsquote von bis zu 60 Prozent die Regel gewesen. Koch würdigte gleichzeitig das Engagement der Willy Robert Pitzer Stiftung, die auch im Jahre 2008 bedürftigen Müttern, deren Antrag endgültig abgelehnt wurde, Kuren ermöglicht. Wie nötig dies ist, belegt eine Studie des Bundesministeriums für Senioren, Frauen und Jugend, die zu dem Schluss kommt, dass der Bedarf an Unterstützung weitaus höher ist als die tatsächlich genutzten Leistungen. Die Erhebung sieht ihn bei 20 Prozent aller Mütter und 11Prozent aller Väter. Insgesamt, so die Studie, leiden in Deutschland 1,1 Millionen Mütter und 128.000 Väter an Gesundheitsstörungen. Mehr als die Hälfte der behandlungsbedürftigen Mütter und Väter gibt darüber hinaus an, dass auch ihre Kinder von mindestens einem psychosozialen Problem betroffen seien.
Beitrag zum sozialen Gemeinwesen
„Die bundesweit 1400 Anlaufsstellen bei den Wohlfahrtsverbänden sind entscheidende Türöffner. Durch sie kommen viele Frauen zum ersten Mal mit dem Hilfesystem in Kontakt“, erörterte Rupprecht. Die Frankfurter Oberbürgermeistern Petra Roth lobte in diesem Zusammenhang die hohe Kompetenz der Beraterinnen: „Ihre Arbeit trägt wesentlich zu einem sozial ausgeglichenen Gemeinwesen bei.“ Immer deutlicher werde, dass Frauen in der Gesellschaft Unterstützung benötigten. Ein Grund sei, dass sie heute oftmals verschiedene Rollen in sich vereinigten - zum Beispiel Mutter, Tochter und Großmutter - und damit überfordert seien, betonte die Schirmherrin der Müttergenesung in Frankfurt am Main. „Zahlreiche Frauen haben bei einer Kur das erste Mal seit langer Zeit überhaupt die Möglichkeit, ohne ihre Kinder zusammenzusitzen und sich in einer Gruppe auszutauschen“, konkretisiert Rupprecht.
Als eine Besonderheit von Müttergenesung stellt sie den ganzheitlichen Ansatz heraus. Die Tatsache, dass die Beratungsstellen von den fünf großen Wohlfahrtsverbänden getragen werden, bringe entscheidende Vorteile, da sie in starke Netzwerke eingebunden seien. Diese nutze man gezielt, um Frauen in ganz unterschiedlichen Problemlagen optimal zu unterstützen. „Zum Beispiel können sie unbürokratisch zu Schuldner- oder Suchtberatungsstellen weitervermittelt werden“. Die Müttergenesung in Frankfurt stehe dabei in besonderer Weise für eine gelungene Kooperation der Träger. „Hier zeigt sich, wie ein Netzwerk funktionieren kann, in das viel Power gesteckt wird.“ Auch Dr. Michael Frase bestätigt dies: „Die Arbeit ist ein hervorragendes Beispiel für sinnvolle Vernetzung und ein Konzept, das die Familien in den Mittelpunkt stellt“, so der Leiter des Diakonischen Werks für Frankfurt am Main.
Gewaltproblematik tritt zutage„Müttergenesung“, bekräftigt Marianne Adler, „holt Frauen in ihrer speziellen Situation ab und geht auf individuelle Bedürfnisse ein“. Dazu kombiniert sie verschiedene Therapie- und Unterstützungsformen. „Rückenschule alleine bringt nichts, wenn finanzielle Probleme wie Blei auf den Schultern lasten“, nennt Rupprecht ein Beispiel. Auch Gewalt in Beziehungen sei eine Problematik, die immer öfter zutage trete, hat Anke Urner von der Caritas-Familienberatung festgestellt: „Etwa ein Zehntel der Frauen, die wir beraten, leiden unter Folgen von Gewalt, zum Beispiel unter posttraumatischen Störungen“, sagt die Beraterin, die zur Zeit eine Dokumentation von Gewaltfällen erstellt. Nicht selten vermittelt sie betroffene Frauen an andere Hilfeangebote wie etwa das Zentrum für Frauen am Alfred-Brehm-Platz weiter. Doch auch, wenn keine Gewalterfahrungen vorliegen, stoßen viele Mütter an die Grenze ihrer Belastbarkeit. „Ihre Kraft reicht nicht mehr aus, um die Familie zu managen, sie sind überarbeitet, erkranken körperlich wie psychisch“, weiß Rupprecht. „Beratung – Kur – Erhalt der Gesundheit“, lauten daher die drei Elemente der therapeutischen Kette, zu der auch ein umfassendes Nachsorgeprogramm gehört. In Frankfurt am Main steht es unter dem Motto „Bewegung – Ernährung – Entspannung“ und umfasst unter anderem Yoga, Klangmassage oder auch den Workshop „Erziehen ohne Gewalt“. Das Prinzip: Hilfe zur Selbsthilfe.
Die eigene Rolle finden
„Entspannung im Sinne von ,zu sich selbst kommen’ bildet die Grundlage für alles andere“, so Angelika-martina Lebéus. Es gehe um alltagstaugliche Übungen, erklärt die Beraterin, die beim Diakonischen Werk für Frankfurt am Main für Nachsorge zuständig ist und die Schwelle bewusst niedrig hält. So liegen etwa die Kosten für eine Veranstaltung im Höchstfall bei fünf Euro inklusive Getränken, Imbiss und Kinderbetreuung. Insgesamt hat Lebéus festgestellt, dass viele Mütter sich über ihre Rolle in der Familie im Unklaren seien. „Oft mangelt es an positiven Vorbildern für die Elternrolle.“ Typisch sei, dass die Frauen nicht Nein sagen könnten oder ihren Kindern keine Grenzen setzten. „In zahlreichen Fällen“, ergänzt Rupprecht, „ist die Beziehung zwischen Mutter und Kind gestört“. Zum Beispiel, wenn Mütter nur noch die Defizite ihrer Kinder wahrnehmen könnten und die Stärken aus den Augen verlören. „Insgesamt geht es darum, Vertrauen aufzubauen“, resümiert Marianne Adler und möchte noch mehr Frauen ermutigen, etwas für sich zu tun, denn: „Wenn eine Mutter zu uns Kontakt aufgenommen hat, ist ein erster großer Schritt in Richtung Gesundheit getan.“Die Gesundheitsreform wirkt:
Die Reformmaßnahmen der Gesundheitsreform wirken. Im ersten Halbjahr 2007 sind die Ausgaben der Krankenkassen für Mutter-/Vater-Kind-Maßnahmen um mehr als 16 Prozent gestiegen. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und die Vorsitzende des Müttergenesungswerkes Marlene Rupprecht begrüßen nach den stark rückläufigen Zahlen in den vergangenen Jahren, dass wieder mehr Mütter und Väter diese Leistungen in Anspruch nehmen können.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: „Die Trendwende bei den Mutter-/Vater-Kind-Maßnahmen ist geschafft. Dies zeigt, dass die Gesundheitsreform genau an den richtigen Stellen ansetzt und wirkt. Medizinische Vorsorge- und Rehamaßnahmen der gesetzlichen Krankenkassen sind ein wichtiger Beitrag, um die Gesundheit der Mütter und Väter zu stärken. Gerade hier darf nicht gespart werden. Eltern, die einen Spagat zwischen Beruf und Familie leisten, müssen wir unterstützen.“
Mit der jüngsten Gesundheitsreform sind medizinische Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Mütter und Väter zu Pflichtleistungen in der GKV umgewandelt worden. Bislang lag es im Ermessen der Kassen, die Anträge für diese Maßnahmen zu bewilligen. Seit dem 1. April diesen Jahres müssen die Kassen die Leistungen genehmigen, wenn die medizinischen Voraussetzungen vorliegen. In diesem Fall gilt ausnahmsweise nicht der Grundsatz „ambulant vor stationär“. Außerdem werden die Ausgaben für Mutter-/Vater-Kind-Maßnahmen zukünftig im Risikostrukturausgleich berücksichtigt. Kassen, die mehr Leistungen bewilligen und entsprechend mehr Ausgaben haben, sind nicht mehr im Nachteil gegenüber den Krankenkassen, die nur wenige Vorsorge- und Rehamaßnahmen bezahlen.
Müttergenesungswerk-Vorsitzende Marlene Rupprecht: „Ich freue mich über die positiven Effekte der Gesundheitsreform. Viele Mütter schöpfen daraus Mut. Die Nachfrage in den Beratungsstellen ist gestiegen, die Einrichtungen sind voll belegt. Aber es gibt noch Umsetzungsschwierigkeiten mit der neuen Gesetzeslage bei einigen Krankenkassen. 28 Prozent der Ablehnungen wurden immer noch mit dem Grundsatz ambulant vor stationär begründet, obwohl dieser nicht mehr gilt. Das Müttergenesungswerk wird sich weiterhin für eine konstruktive Umsetzung der neuen Gesetzeslage bei den Krankenkassen einsetzen.“
Ulla Schmidt sicherte dem Müttergenesungswerk ihre volle Unterstützung zu. Mutter-/Vater-Kind-Maßnahmen sind wichtige Bausteine für eine erfolgreiche Prävention. Eltern und ihre Kinder lernen hier, gemeinsam gesund zu leben. Die Bundesministerin und die Vorsitzende des Müttergenesungswerks gehen davon aus, dass sich die positive Entwicklung, die sich in den Ausgabenzuwächsen des 1. Halbjahres 2007 widerspiegelt, fortsetzen wird. Genauere Daten zur Anzahl der durchgeführten Maßnahmen für das aktuelle Kalenderjahr werden im Sommer 2008 vorliegen.
Nähere Informationen zu den Mutter-/Vater-Kind-Maßnahmen und den Voraussetzungen zur Inanspruchnahme dieser enthält ein vom Bundesministerium für Gesundheit und dem Müttergenesungswerk herausgegebener Flyer. Das Infoblatt ist hier abrufbar.
Statistische Auswertung Ablehnungen/Widersprüche 1. Halbjahr 2007 für Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen nach §24 und §41 SGB V
zum Download

Mütter und Väter sind in ihrem Rechtsanspruch gestärkt
Redaktionsbüro Gesundheit: Wer hat Anspruch auf eine Mutter-/Vater-Kind-Kur?
Anne Schilling: Grundsätzlich haben alle Frauen und Männer in Familienverantwortung Anspruch auf eine Mütterkur oder Mutter-Kind-Kur oder Vater-Kind-Kur zur Vorsorge oder Rehabilitation. Voraussetzung ist, dass die Kur medizinisch notwendig ist und der Arzt dies attestiert. Die Mutter oder der Vater muss also krank sein. Sollen Kinder mitfahren, dann können diese ebenfalls krank sein, müssen es aber nicht. 2006 waren in den Einrichtungen des Müttergenesungswerks rund 35.000 Mütter mit 52.000 Kindern in einer Kurmaßnahme.
Redaktionsbüro Gesundheit: Wie sieht die typische „Kur-Mutter“ aus?
Anne Schilling: Mütter haben vielfältige Belastungen in der Familie: Erziehungsarbeit, Haushalt, Berufstätigkeit und oftmals auch noch die Pflege eines Angehörigen oder die Sorge für ein krankes Kind. Dazu kommen manchmal noch Arbeitslosigkeit, Partnerschaftskonflikte oder finanzielle Sorgen. All dies kann Frauen krank machen. Mütter, die in eine Mütter- oder Mutter-Kind-Maßnahme fahren, haben typischerweise mehrere Erkrankungen und Beschwerden, vor allem Erkrankungen des Bewegungsapparats (Rückenschmerzen u. ä.), psychosomatische Krankheitsbilder, Atemwegs- oder Hauterkrankungen, aber auch Herz-Kreislauf- oder gynäkologische Beschwerden. 88 Prozent der Frauen sind in der aktiven Erziehungsphase zwischen 26 und 45 Jahre, 32 Prozent sind alleinerziehend, 57 Prozent erwerbstätig und 44 Prozent haben ein familiäres Nettoeinkommen von rund 1.500 Euro. Neben diesen Merkmalen kommen die Frauen aus allen Bereichen mit unterschiedlichstem Bildungsgrad und unterschiedlicher Kinderzahl, wobei 45 Prozent zwei Kinder haben. Überproportional sind auch Frauen mit drei und mehr Kindern.
Redaktionsbüro Gesundheit: Welche Vorteile hat eine stationäre Kur – zum Beispiel gegenüber ambulanten Maßnahmen am Wohnort?
Anne Schilling: Mütter haben einen 24-Stunden-Tag. Wenn sie ambulante Maßnahmen am Wohnort durchführen, müssen sie vorher organisieren, dass ihre Kinder versorgt sind und hinterher ist in der Regel keine Zeit zum Entspannen, sondern ihre Familienarbeit geht unmittelbar weiter. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber Müttern einen schnelleren Zugang zu diesen Kurmaßnahmen geschaffen. Bei diesen Kuren gilt nicht das Prinzip, dass ambulante Maßnahmen am Wohnort ausgeschöpft sein müssen. Dies hat der Gesetzgeber bei der Gesundheitsreform noch mal ausdrücklich klargestellt. Für Mütter ist dies sehr wichtig. In den anerkannten Einrichtungen des Müttergenesungswerk bieten wir ein ganzheitliches frauenspezifisches Gesundheitsangebot: Im Mittelpunkt steht die Balance von Körper und Seele mit medizinischen, physiotherapeutischen und psychosozialen Therapien. Therapeutisch wichtig für die Frauen ist dabei auch der Erfahrungsaustausch, und die konkrete Einbeziehung der Lebenssituation im Alltag und nicht zuletzt Angebote zur Nacharbeit nach der Kur durch unsere Beratungsstellen bei den Wohlfahrtsverbänden vor Ort.
Redaktionsbüro Gesundheit: Gibt es spezielle Kur-Einrichtungen für Väter?
Anne Schilling: Die vom Müttergenesungswerk anerkannten Einrichtungen können auch Kurmaßnahmen nur für Väter anbieten. In zwei unserer Einrichtungen finden zu bestimmten Terminen reine Vater-Kind-Kuren statt.
Redaktionsbüro Gesundheit: Seit 1. April 2007 sind Mutter-/Vater-Kind Kuren Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Washat sich dadurch für die Betroffenen geändert?
Anne Schilling: Mütter und Väter sind nun in ihrem Rechtsanspruch gestärkt, dies wird insbesondere bei Widerspruchs- und Klageverfahren eine Rolle spielen. Außerdem sind diese Maßnahmen nun in den Risikostrukturausgleich aufgenommen, sodass es sich für eine Krankenkasse nicht mehr lohnt, an diesen Kuren sparen zu wollen. Sehr wichtig für die Betroffenen ist, dass der Gesetzgeber ausdrücklich im Gesetz aufgenommen hat, dass ambulante Maßnahmen am Wohnort nicht ausgeschöpft sein müssen. Spätestens ab 1. August 2008 wird es beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen nur noch Stichprobenprüfungen geben, sodass wir insgesamt von einem deutlich schnelleren Verfahren bei Kuranträgen ausgehen. Insgesamt erwarten wir durch die gesetzlichen Änderungen erleichterte und schnellere Antragsverfahren und definitiv mehr Genehmigungen.
Redaktionsbüro Gesundheit: Mit welcher Begründung wurden Kuren in der Vergangenheit abgelehnt?
Anne Schilling: 2006 wurden 34 Prozent aller Erstanträge abgelehnt, davon über 50 Prozent mit dem Hinweis, dass ambulante Maßnahmen
am Wohnort nicht ausgeschöpft seien. Wir haben in den letzten Jahren in steigendem Maße beobachtet, dass Widersprüche gegen Ablehnungen
immer eine hohe Erfolgsquote haben. 2006 haben 66 Prozent der Mütter, die eine Ablehnung erhalten haben, mit Unterstützung der Beratungsstellen des Müttergenesungswerks bei den Wohlfahrtsverbänden Widerspruch eingelegt, davon 51 Prozent
erfolgreich. Diese Zahlen und diese Entwicklung waren Grund und Anlass für die nun erfolgten gesetzlichen Änderungen.
Redaktionsbüro Gesundheit: Was müssen Mütter tun, wenn sie eine Kur machen wollen?
Anne Schilling: Wir empfehlen allen Müttern, zunächst eine unserer Beratungsstellen bei den Wohlfahrtsverbänden aufzusuchen. Sie erhalten dort kostenlos eine Beratung zu allen Fragen und Wegen rund um die Kur und Unterstützung bei der Antragstellung sowie gegebenenfalls beim Widerspruch. Hier werden auch Fragen geklärt bezüglich der Familie zu Hause, zu eventuell notwendiger Unterstützung durch Spendenmittel des Müttergenesungswerks usw. Eine Beratungsstelle in Wohnortnähe finden alle Betroffenen auf unserer Internetseite www.muettergenesungswerk.de oder über unser Kurtelefon 030/330029-29.